Sprache
Zahns
Hans-Hermann
Solveig
Freundeskreis
Aphorismen
Anekdoten
Bücher
Denken
Garten
Glück
Information
Kinder
Kriegskunst
Liebe
Logik
Musik
Organisation
Paddeln
Philosophie
Politik
Recht
Schwertkunst
Sprache
Staat
Tee
Vermischtes
Wildnis
Zeit
Fotografie
Neuigkeiten
Gästebuch

Man nehme gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge. (Arthur Schopenhauer)

Sprich nie klarer als du denkst. (Jeremy Bernstein)

Drücke dich kurz und präzise aus; das Einfache ist das Beste. (Wolf Schneider)

Ein Satz von zwei, drei Sekunden Länge ist optimal. Kürzere Sätze wirken hektisch, längere Sätze anspannend und ermüdend. Wieso besteht eine Notwendigkeit, zwischen Subjekt und Prädikat mehr als zehn Wörter zu packen? Man kann solchen Sätzen nicht mehr folgen. (Wolf Schneider)

Die alten Wörter sind die besten, und die kurzen alten Wörter sind die allerbesten. (Winston Churchill)

Sprache ohne Numen ist tot. (Friedrich-Georg Jünger)

Nomina si pereunt, perit et cognitio rerum. Mit den Namen vergeht auch die Kenntnis der Dinge. (Carl Linné)

Was sich überhaupt sagen läßt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen. (Ludwig Wittgenstein)

Die "Flugbahn eines Begriffs" wird nicht nur durch den Inhalt einer isolierten Vorstellung, sondern wesentlich durch den Standort des Begriffs in einem Begriffssystem bestimmt. (Carl Schmitt)

Niemand hat mehr Geist, als er Sprache hat. (Friedrich-Georg Jünger)

Fähigkeit zur Kürze gibt nur die Kenntnis. (Friedrich-Georg Jünger)

Man kann nicht deutlich werden ohne Kenntnis. Man wird nicht deutlich ohne Leidenschaften. (Friedrich-Georg Jünger)

Selbst sein Schweigen enthielt Sprachfehler. (Stanislaw Jerzey Lec)

Bei einem schwierigen Text empfiehlt sich nicht nur die Fächerung in kurze Kapitel, sondern darüber hinaus in kleinere Abschnitte. Das stellt die Gedanken für sich, begrenzt die Aufnahme und lässt Zeit für die Meditation. (Ernst Jünger)

Im Anfang war das Wort - am Ende die Phrase. (Stanislaw Jerzey Lec)

Es genügt nicht, zur Sache zu Reden, man muss zu den Menschen reden. (Stanislaw Jerzey Lec)

Auf dem Maskenball der Definitionen gefällt sich der Slogan als Definition. (Stanislaw Jerzey Lec)

Ausser der Kunst der Übertragung aus einer Sprache in die andere gibt es die Kunst der Übersetzung aus einer Zeit in die andere. (Stanislaw Jerzey Lec)

Erst kommt die Entwürdigung durch Worte, dann durch die Tat. (Ernst Jünger)

Wenn die Sprache nicht stimmt, dann ist das, was gesagt wird, nicht das was gemeint ist. Ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist, so kommen keine guten Werke zustande. Kommen keine guten Werke zustande, so gedeihen Kunst und Moral nicht. Gedeihen Kunst und Moral nicht, so trifft die Justiz nicht. Trifft die Justiz nicht, so weiss das Volk nicht, wohin Hand und Fuss setzen. Also dulde man keine Willkürlichkeit in den Worten. Das ist es, worauf es ankommt. (Konfuzius)

Der Gedanke ist es, der das Wort adelt. (Gottfried Keller)

Die äusserst mögliche Verknappung bei höchster Präzision macht Latein zur geborenen Juristensprache. (Gerhard Dilcher)

Omnis definitio periculosa. (unbekannt)

Für gewöhnlich stehen nicht die Worte in der Gewalt der Menschen, sondern die Menschen in der Gewalt der Worte. (Hugo von Hofmannsthal)

Aphorismen sind Sätze, die mit dem Punkt, der sie beschliesst, Ernst machen. (Albrecht Fabri)

Ein gutes Gespräch ist ein Kompromiss zwischen Reden und Zuhören. (Ernst Jünger)

Schweigen ist eine der grossen Künste der Konversation.  (William Hazlitt)

Schweigen ist eines der am schwierigsten zu widerlegenden Argumente. (Josh Billings)

Wo Worte selten sind, haben sie Gewicht. (William Shakespeare)

Nichts blockiert zuverlässiger ein Gespräch als Zustimmung. (Claude Debussy)

Wer eine Menge grosser Worte gebraucht, will nicht informieren sondern imponieren. (Oskar von Miller)

Worte, ein wenig gewärmte Luft, Gewicht null, können, passend zusammengefügt, schärfer sein als Pfeil und Speerspitze. (Stefan Heym)

Was einen verwendeten Begriff gehaltvoll sein lässt, ist in erster Linie das, was ihn entweder die Prämisse oder die Konklusion in einer Folge von Begriffen sein lässt. (Robert B. Brandom)

Es gibt keine grössere Illusion als die Meinung, Sprache sei ein Mittel der Kommunikation zwischen Menschen. (Elias  Canetti)

Stil ist richtiges Weglassen des Unwesentlichen. (Anselm von Feuerbach)

Narrare necesse est. (Odo Marquard)

Der Urzustand eines Wortes ist der Atem. (Hazrat Inayat Khan)

Mantras sind Urlaute und archetypische Wortsymbole. (Govinda)

Nach ihren Taten, nicht nach ihren Worten soll man die Freunde wägen. - Ex factis, non ex dictis amici pensandi.(Titus Livius)

Ich weiss nicht, was ich gesagt habe, bevor ich nicht die Antwort des anderen darauf gehört habe. (Norbert Wiener)

Wer kein Latein kann, den bestraft das Deutsche. (Karl-Wilhelm Weeber)

Plastikwörter sind Elementarbausteine künstlich erzeugter Wirklichkeiten. (Uwe Pörksen)

Sollten Ihnen meine Ausführungen zu klar gewesen sein, dann müssen Sie mich missverstanden haben. (Alain Greenspan)

Strengstes Mass ist zugleich höchste Freiheit. (Stefan George)

Die Dichtung hat eine besondere Stellung unter den Künsten. Sie allein kennt das Geheimnis der Erweckung und das Geheimnis des Übergangs. (Stefan George)

Kurz schreiben, um abzuschliessen, bevor man Überdruss erregt. (Nicólas Gómez Dávila)

Die edelsten Dinge auf Erden existieren vielleicht nur in den Worten, die sie heraufbeschwören. Aber es genügt, dass es sie dort gibt, damit wird sind. (Nicólas Gómez Dávila)

Die einzigen wichtigen Lehren sind die, welche nur der Tonfall der Stimme übermitteln kann. (Nicólas Gómez Dávila)

Der Schriftsteller verliert einen einmonatigen Sündennachlass für jedes überflüssige Wort. (Nicólas Gómez Dávila)

Wie der Satz nicht richtig geschrieben ist, ist der Mensch nicht richtig erzogen, solange man zwischen Form und Inhalt unterscheiden kann. (Nicólas Gómez Dávila)

Die Zweideutigkeit bestimmter Wörter ist der Beweis für die Eindeutigkeit, mit der sie an der zweideutigen Realität hängen, die sie bezeichnen. (Nicólas Gómez Dávila)

Misstrauen wir der Prosa, die nicht lächelt. (Nicólas Gómez Dávila)

Der Satz muss feine Manieren haben, aber Kanten haben und kurz sein. (Nicólas Gómez Dávila)

Der Vers ist die nicht einzugestehende Bestrebung der Prosa. (Nicólas Gómez Dávila)

Die Poesie hat keinen Platz in der Welt. Sie ist ein Glanz, der durch deren Risse eindringt. (Nicólas Gómez Dávila)

Die Trockenheit des Stils muss sich aus der inneren Glut unserer Flamme ergeben. (Nicólas Gómez Dávila)

Jedes Wort soll explodieren wie eine kompakte Ladung Sinn. (Nicólas Gómez Dávila)

Am schlechtesten schreibt, wer den, der gut schreibt, nachahmt. (Nicólas Gómez Dávila)

Die Bedeutung der Schönheit eines Gedichts steht in keiner Beziehung zu dem, was das Gedicht bedeutet. (Nicólas Gómez Dávila)

Die Dinge gehören dem Gebieter über das kluge Wort. (Nicólas Gómez Dávila)

Phrasendrescherei ist all das, was man über das strikt Nötige hinaus sagt, um sich selbst zu überzeugen. (Nicólas Gómez Dávila)

Die Unmöglichkeit, den ästhetischen Erfolg vorhersehen zu können, bestätigt den Mythos von der „Inspiration“. Der Dichter bringt nicht so sehr Gedichte hervor als vielmehr Ausgeburten der Phantasie. (Nicólas Gómez Dávila)

Ein Text, der eine Paraphrase gestattet, ist zweitklassig. (Nicólas Gómez Dávila)

Akzeptable Gemälde gibt es zuhauf, doch keine Literatur besitzt mehr als eine Handvoll Gedichte. (Nicólas Gómez Dávila)

Kein Redner zu sein heisst, nur über etwas sprechen zu können, worin man sich auskennt. (Nicólas Gómez Dávila)

Der wahrhaft elegante Wortkünstler steckt den Degen in die Scheide, noch bevor der Gegner den Stoss spürt, der ihn niedergestreckt hat. (Nicólas Gómez Dávila)

Der Reichtum der Sprache hängt ab von der Anzahl intelligenter Menschen, welche die Bedeutung ihrer Worte dadurch bereicherten, dass sie in ihr mit Talent geschrieben haben. (Nicólas Gómez Dávila)

Wo alles gesagt werden kann, sagt man es auf beliebige Weise; wo alles auf beliebige Weise gesagt werden mag, wird nichts gesagt. (Nicólas Gómez Dávila)

Die Übersetzung lässt aus, was in einem Text am wichtigsten ist: und das ist nicht das, was der Autor sagt, sondern das, was seine Sprache sagt. (Nicólas Gómez Dávila)

Nur das Wehen des Wortes fegt den Staub hinweg, der die Dinge verschleiert. (Nicólas Gómez Dávila)

Malerei, Musik und Dichtung verbinden sich alle nur im Vers. (Nicólas Gómez Dávila)

Der Satz muss mit den Flügeln schlagen wie ein gefangener Falke. (Nicólas Gómez Dávila)

Die Poesie – selbst die klassische oder moderne – ist romantisch. (Nicólas Gómez Dávila)

Bestimmte Arten von Prosa erscheinen nicht wie Etappen in der Geschichte einer Sprache, sondern wie Kristallisationen einer Sprache ausserhalb der Zeit. (Nicólas Gómez Dávila)

Um gut zu schreiben, muss man sich entschliessen, behutsam über das Wörterbuch der Sprache hinauszugehen, in der wir schreiben. (Nicólas Gómez Dávila)

Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse. (Antoine de Saint-Exupéry)

Worte trügen - worte fliehen -
Nur das lied ergreift die seele.
(Stefan George)

Kein ding sei wo das wort gebricht. (Stefan George)

So trieb er täglich in das Feld
Und saß auf einem Stein
Und sang bis in die tiefe nacht
Und niemand sorgte sein.

Nur kinder horchtem seinem lied
Und saßen oft zur seit…
Sie sangen als er lang schon tot
Bis in die spätste Zeit.
(Stefan George)


Hemmt uns! Untilgbar ist das Wort das blüht.
Hört uns! nehmt an! trotz eurer Gunst: es blüht –
Übt an uns mord und reicher blüht was blüht!
(Stefan George)


Dies ist ein Lied
für dich allein:
Von kindischem Wähnen
Von frommen tränen..
Durch morgengärten klingt es
Ein leichtbeschwingtes,
Nur dir allein
Möcht es ein lied
Das rühre sein.
(Stefan George)

 

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt. (Ludwig Wittgenstein)

Wir halten das Wort üblicherweise für den Schatten der Wirklichkeit, für ihr Abbild. Richtiger wäre die umgekehrte Behauptung: Die Wirklichkeit ist der Schatten des Wortes. (Bruno Schulz)

Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)

Die Menschen scheinen die Sprache nicht empfangen zu haben, um die Gedanken zu verbergen, sondern um zu verbergen, dass sie keine Gedanken haben. (Sören Kierkegaard)

 

Wenn ein Dichter die Geliebte
nicht herumkriegt mit seinen Worten,
sollte er das Dichten lassen
und auf die Wall-Street wechseln,
damit er sie kaufen kann.

(Michael Krüger)
 

Worte dienen vielen dazu, zu verbergen, dass sie keine Gedanken haben. (Heinrich Heine)

Viele Menschen sind zu gut erzogen, um mit vollem Mund zu sprechen; aber sie haben keine Bedenken, dies mit leerem Kopf zu tun. (Orson Welles)

Die Krise der Lyrik hängt auch damit zusammen, dass man sie nicht verfilmen kann. (Peter Rühmkorf)

 

Wir turnen in höchsten Höhen herum...

Wir turnen in höchsten Höhen herum,
selbstredend und selbstreimend,
von einem I n d i v i d u u m
aus nichts als Worten träumend.

Was uns bewegt - warum? wozu? -
den Teppich zu verlassen?
Ein nie erforschtes Who-is-who
im Sturzflug zu erfassen.

Wer von so hoch zu Boden blickt,
der sieht nur Verarmtes / Verirrtes.
Ich sage: wer Lyrik schreibt, ist verrückt,
wer sie für wahr nimmt, wird es.

Ich spiel mit meinem Astralleib Klavier,
v i e r f ü ß i g - vierzigzehig -
Ganz unten am Boden gelten wir
für nicht mehr ganz zurechnungsfähig.

Die Loreley entblösst ihr Haar
am umgekippten Rheine ...
Ich schwebe graziös in Lebensgefahr
grad zwischen Freund Hein und Freund Heine.

(Peter Rühmkorf)
 

Lügen, mit Tinte geschrieben, können keine Fakten verbergen, die mit Blut geschrieben sind. (Lu Xun)

Alles Reden ist sinnlos, wenn das Vertrauen fehlt. (Franz Kafka)

Menschen werden schlecht und schuldig, weil sie reden und handeln, ohne die Folgen ihrer Worte und Taten vorauszusehen. (Franz Kafka)

I don't necessarily agree with everything I say. (Marshall McLuhan)

Die Sprache ist ein unvollkommenes Werkzeug. Die Probleme des Lebens sprengen alle Formulierungen. (Antoine de Saint-Exupéry)

Ihr Sohn, Madame, wird nie aufhören, ein Kind der Sprache zu sein, und Sie selbst ein winziger Dreikäsehoch, und ich ein lächerlicher Knirps, und wir alle zusammen kleine Fische, mitgerissen vom großen, der mündlichen Quelle der Literatur entsprungenen Strom, und es wird Ihrem Sohn gefallen zu wissen, in welcher Sprache er schwimmt, was ihn trägt, ihn verändert, ernährt und selber - und mit welchem Stolz! – Träger dieser Schönheit zu werden, es wird ihm gefallen, glauben Sie mir, er wird den Geschmack dieser Worte in seinem Mund, die Leuchtraketen dieser Gedanken in seinem Kopf mögen und mit Genuss die gewaltigen Fähigkeiten und die unendliche Geschmeidigkeit seines Gedächtnisses entdecken, dieses Resonanzkörpers, dieses sagenhaften Kastens, in dem man die schönsten Sätze erklingen, die klarsten Ideen widerhallen lassen kann, er wird süchtig werden nach dem Sprachtieftauchen, sobald er die unersättlichen Höhlen seines Gedächtnisses entdeckt hat, er wird mit Lust immer wieder in die Sprache hinabsteigen, um in ihren Fluten nach Texten zu fischen, und sein Leben lang wissen, dass sie da sind, dass sie ein Teil von ihm sind, dass er sie unversehens rezitieren, sie sich selber vorsagen kann, allein um der Worte Wohllaut willen. (Daniel Pennac)

 

Ich fürcht mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle Dinge um.
 

(Rainer Maria Rilke)

 

Den Stil verbessern, das heisst den Gedanken verbessern. (Friedrich Nietzsche)

Viel von sich reden, kann auch ein Mittel sein, sich zu verbergen. (Friedrich Nietzsche)

Die Wahrheit bedarf nicht viele Worte, die Lüge kann nie genug haben. (Friedrich Nietzsche)

Dixi et salvavi animam meam - Ich habe gesprochen und meine Seele gerettet.

Man kann nicht nicht kommunizieren (Paul Watzlawick)

Wenn man den Leuten nur begreiflich machen könnte, dass es mit der Sprache wie mit den mathematischen Formeln sei – Sie machen eine Welt für sich aus -  Sie spielen nur mit sich selbst, drücken nichts als ihre wunderbare Natur aus, und eben darum sind sie so ausdrucksvoll. (Novalis)

Tatsächlich besteht unsere Sprache nur aus fehlerhaft ausgesprochenen Wörtern einiger anderer. (Marcel Proust)

Wenn man über eine Sache nicht redet, ist sie nicht geschehen. Nur wenn wir sie in Worte kleiden, geben wir den Dingen Wirklichkeit. (Oskar Wilde)

Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an. (E.T.A. Hoffmann)

Des Dichters Schwert ist das Wort, der Gesang. (E.T.A. Hoffmann)
 

Der Klang ist die Seele der Sprache, während die Bedeutungen der Wörter ihr Körper sind. (Herbert Schuldt)

Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle (die hat man früh genug), – es sind Erfahrungen. Um eines Verses willen muss man viele Städte sehen, Menschen und Dinge, man muss die Tiere kennen, man muss fühlen, wie die Vogel fliegen, und die Gebärde wissen, mit welcher die kleinen Blumen sich auftun am Morgen. Man muss zurückdenken können an Wege in unbekannten Gegenden, an unerwartete Begegnungen und an Abschiede, die man lange kommen sah, – an Kindheitstage, die noch unaufgeklärt sind, an die Eltern, die man kränken musste, wenn sie einem eine Freude brachten und man begriff sie nicht (es war eine Freude für einen anderen –), an Kinderkrankheiten, die so seltsam anheben mit so vielen tiefen und schweren Verwandlungen, an Tage in stillen, verhaltenen Stuben und an Morgen am Meer, an das Meer überhaupt, an Meere, an Reisenächte, die hoch dahin rauschten und mit allen Sternen flogen, – und es ist noch nicht genug, wenn man an alles das denken darf. Man muss Erinnerungen haben an viele Liebesnächte, von denen keine der andern glich, an Schreie von Kreißenden und an leichte, weiße, schlafende Wöchnerinnen, die sich schließen. Aber auch bei Sterbenden muss man gewesen sein, muss bei Toten gesessen haben in der Stube mit dem offenen Fenster und den stossweisen Geräuschen. Und es genügt auch noch nicht, dass man Erinnerungen hat. Man muss sie vergessen können, wenn es viele sind, und man muss die grosse Geduld haben, zu warten, dass sie wiederkommen. Denn die Erinnerungen selbst sind es noch nicht. Erst wenn sie Blut werden in uns, Blick und Gebärde, namenlos und nicht mehr zu unterscheiden von uns selbst, erst dann kann es geschehen, dass in einer, sehr seltenen. Stunde das erste Wort eines Verses aufsteht in ihrer Mitte, und aus ihnen ausgeht. (Rainer Maria Rilke)

Das Geheimnis des Langweilens besteht darin, dass man alles sagt. (Voltaire)

Mit meiner Sprache kann ich alles machen - vor allem und sogar nichts sagen - nicht aber mit meinem Körper. Was ich mit meiner Sprache verberge, spricht mein Körper aus. Ich kann nach Belieben meine Botschaft zurechtstutzen aber nicht meine Stimme. (Roland Barthes)
 


Der Leiermann

Drüben hinterm Dorfe
Steht ein Leiermann
Und mit starren Fingern
Dreht er was er kann.

Barfuß auf dem Eise
Wankt er hin und her
Und sein kleiner Teller
Bleibt ihm immer leer.

Keiner mag ihn hören,
Keiner sieht ihn an,
Und die Hunde knurren
Um den alten Mann.

Und er läßt es gehen,
Alles wie es will,
Dreht, und seine Leier
Steht ihm nimmer still.

Wunderlicher Alter !
Soll ich mit dir geh'n ?
Willst zu meinen Liedern
Deine Leier dreh'n ?


(Wilhelm Müller vertont durch Franz Schubert in Winterreise)
 


Das Wort ist nicht die Sache, sondern ein Blitz, bei dessen Aufleuchten man sie wahrnimmt. (Denis Diderot)

 

Worte

Worte purzeln aus dem Mund
Kantig, glatt und kugelrund,
saftig, lustig, frech und klug,
segelnd auf dem Atemzug.
Mal als Splitter, mal als Fetzen
oder auch in langen Sätzen
können stolpern oder springen,
hauchen, röcheln oder singen,
können drohen, trösten, schmeicheln,
schlagen, kränken oder streicheln,
Können dir die Welt erklären
dich erleichtern und beschweren,
können zu den Sternen reisen
und den größten Quatsch beweisen.

Worte sprechen alles aus,
stockend, zögernd, frei heraus,
säuselnd, zwitschernd, drohend, lockend,
springend, tanzend, hüpfend, rockend.
kreuz und quer und hoch und tief,
manchmal grade, manchmal schief.
Können singen, tanzen, springen
und durch dicke Mauern dringen,.

Worte können dich betören
lügen, prahlen oder schwören,
dich in tiefstem Schmerz ertränken,
und die höchsten Freuden schenken.

Anfang, Ende, Tod und Leben,
Alles können Worte geben.

Max Kruse

 


[Anekdoten] [Bücher] [Denken] [Garten] [Glück] [Information] [Kinder] [Kriegskunst]


[Logik] [Liebe] [Musik] [Organisation] [Paddeln] [Philosophie] [Politik] [Recht]


[Schwertkunst] [Sprache] [Staat] [Tee] [Vermischtes] [Wildnis] [Zeit]

 

[Zahns] [Hans-Hermann] [Solveig] [Freundeskreis] [Aphorismen] [Fotografie] [Neuigkeiten] [Gästebuch]