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Tee ist ein segensspendender Baum des Südens. (Lu Yü, Ch`a-ching, 1. Kapitel, 1. Satz)

Das Schriftzeichen „Tee“ besteht aus den Zeichenkomponenten „Gras“ und „Holz“ beziehungsweise aus ihrer Verschmelzung. (Lu Yü, Ch`a-ching, 1. Kapitel)

Das Wesen des Tees ist generell kalt, somit kommt ihm gewiss als Getränk die beste Form der Verwendung zu. Für achtbare und genügsame Leute können einige Schlucke Tee so wunderbar wie süsser Rahm und erquickender Tau sein. Vor allem dann, wenn sie Durst haben, unter allzu grosser Hitze leiden oder über Kopfschmerzen, Augentrockenheit, Glieder- und Gelenkschmerzen klagen. (Lu Yü, Ch`a-ching, 1. Kapitel)

Teeziegel können das unterschiedlichste Aussehen haben: Manche Teeziegel sehen faltig aus wie die Reitstiefel der nördlichen Nomadenvölker, andere wiederum wirken so schlaff wie die schürzenförmig hängende Haut einer Rinderbrust. Auch gibt es Teeziegel, die so gewunden aussehen, wie Nebel und Wolken in einem Bergtal. Es gibt auch solche, die aussehen wie Wasser, dessen Wellen vom Wind sanft bewegt werden, andere sehen so fein und glatt aus wie abgesetzter Schlamm nach der Töpferarbeit. Wiederum andere haben das Aussehen von frisch gefurchter Erde nach einem starken Gewitterregen und weisen tiefe Spuren auf. (Lu Yü, Ch`a-ching, 3. Kapitel)

Letztlich entscheidet der Geschmack über die richtige Beurteilung des Tees: Wie gut er ist, ist eine Entscheidung, die der Mund selbst treffen muss. (Lu Yü, Ch`a-ching 3. Kapitel)

Klares Gebirgsquellwasser ist das beste Teewasser, Flusswasser ist gutes Teewasser und Wasser aus einem Brunnen ist weniger gut geeignet. (Lu Yü, Ch`a-ching, 5. Kapitel)

Langt das Wasser am Siedepunkt an, so entstehen zuerst kleine Luftblasen gleich Fischaugen und ein leises Geräusch ertönt. Dies ist der Moment des „ersten Siedens“.

Hierauf entstehen am Topfrand Luftblasen wie sprudelndes Brunnenwasser und Perlen. Dies ist nun das „zweite Sieden“.

Beginnt das Wasser im Topf zu wallen, so ist das der Augenblick des „dritten Siedens“. Wird das Wasser nun noch weiter gekocht so ist es überkocht und nicht mehr für den Teegenuss geeignet. (Lu Yü, Ch`a-ching, 5. Kapitel)

Die erste Schale Tee hat den wunderbarsten Geschmack, der auch am längsten nachklingt. Er wird als denkwürdig bezeichnet. Die zweite und dritte Schale Tee ist nicht mehr von solch erlesenem Geschmack. Der Tee nach der vierten und fünften Schale bietet keinen Genuss mehr und soll nur bei grossem Durst getrunken werden. Der Tee soll warm getrunken werden, da die schwere und trübe Substanz im heissen Tee absinkt und die Erlesenheit an der Oberfläche bleibt. Erkaltet der Tee, so schwindet mit der Wärme auch die Erlesenheit. Vom Trinken zu viel kalten Tees ist abzuraten. (Lu Yü, Ch`a-ching, 5. Kapitel)

Im Tee findet man süssen und bitteren Geschmack. Das, was im Mund bitter und nach dem Hinunterschlucken süss ist, ist echter Tee. (Lu Yü, Ch`a-ching, 5. Kapitel)

Wenn jemand die Müdigkeit vertreiben oder der Mattigkeit am Abend entfliehen möchte, dann trinkt er Tee. (Lu Yü, Ch`a-ching 6. Kapitel)

Eine Freundschaft ist wie eine Tasse Tee. Sie muss klar und durchscheinend sein, und man muss auf den Grund schauen können. (Chinesisches Sprichwort)

Gedicht der sieben Schalen Tee

Die erste Tasse netzt mir Lippen und Kehle.
Die zweite verscheucht meine Einsamkeit.
Die dritte durchdringt mein unfruchtbares Inneres, um darin nichts weiter als einige fünftausend Ideogramme zu finden.
Die vierte Tasse erregt einen leichten Schweiss - alles Schlechte des Lebens schwindet durch meine Poren dahin.
Bei der fünften Tasse bin ich geläutert;
die sechste ruft mich ins Reich des Unvergänglichen.
Die siebente Tasse - ah, aber ich kann nicht Weitertrinken. Ich fühle nur den kühlen Windhauch, der sich in meinen Ärmeln fängt. Der Horai-san (das chinesische Elysium), wo liegt er? Lasst mich mit diesem lieblichen Windhauch segeln und dorthin schweben.

(Lu T´ung) aus der Tang-Zeit

Drei Dinge auf dieser Welt sind höchst beklagenswert:
Das Verderben bester Jugend durch falsche Erziehung,
das Schänden bester Bilder durch gemeines Begaffen
und die Verschwendung besten Tees durch unsachgemässe Behandlung

(Li Chi-Lai)
 

 

 

Es heisst, dass einst Lu Tung und Lu Yü Tee liebten, um Schläfrigkeit zu verscheuchen, Umnachtung zu lichten und sich in Gelehrsamkeit zu üben. (Horst Siegfried Hennemann)

Um das Leben zu pflegen, ist der Tee ein wahrer Heilstrank, ein Geheimmittel, das Leben zu verlängern. (Eisai)

Einen Mond ohne vorüberziehende Wolken mag ich nicht. (Juko)

Es ist gut, an eine Strohhütte ein edles Ross anzubinden. (Juko)

 

mitwataseba              Man schaut sich um:
hana mo momiji mo    Weder Kirschblüten noch rotgefärbtes Laub
nakarikeri                   gibt es da
ura no tomaya no       bei der Schilfhütte an der Bucht
aki no yugure              in herbstlicher Abenddämmerung.

hana wo nomi             Wenn man denjenigen,
matsuran hito ni           die nur die Blumen ungeduldig erwarten,
jamazato no                doch den Frühling
yukima no kusa no      der Gräser im tauenden Schnee
haru wo miseba ya      des Bergdorfes zeigte!

(Ietaka/Joo)

Tee regt den Geist an,
beruhigt das Gemüt
lässt Gedanken aufkommen
und verhindert Schläfrigkeit.
Er erhält den Körper
Und klärt die wahren Kräfte.

(Lu ju)
 

(Sen no Rikyu)

 

chanoyu to wa            Des Teeweges Urgrund:
tada yu wo wakashi     Wasser sieden lassen,
cha wo tatete              Tee schlagen und
nomu bakari nari         ihn mit lauterem Herzen trinken, nicht mehr!
moto wo schiru-beshi   Man sollte dies wohl wissen.

kama hitotsu               Einen Kessel allein,
moteba chanoyu wa    hat man ihn so reicht`s
taru mono wo             für die Kunst des Tees;
yorozu no dogu           wie unnütz aber
konomu hakanasa      die Vorliebe für tausenderlei Gerät!

itsutsuori                   Nach Einübung
mutsu no kowari wo   der fünf positiven Trennungslinien
shugyo wo shite        und der sechs negativen Unterteilungen
itaru kokoro no          bleibt nur noch die Übung des Herzens
hitotsugane nari         als einzig wirkliches Mass.

chanoyu ni wa            Im Chanoyu gehört
ume kangiku ni           zur Pflaumenblüte und Winteraster
kibamiochi                 das sich gelbfärbend fallende Laub,
aodake kareki            zum grünen Bambus der kahle Baum
akatsuki no shimo      und zur Morgenröte ihr eisiger Frost.

(Sen no Rikyu)

 

Cha wa fuku no joki jo ni
Bereite eine köstliche Schale Tee;
sumi wa yuno waku jo ni oki
ordne die Holzkohle so, dass sie das Wasser erhitzt;
hana wa no no hana yo ni ike
ordne die Blumen so, wie sie auf dem Felde wachsen;
fuyu wa atataka ni natsu wa susushiku
im Sommer, rufe ein Gefühl der Kühle hervor,
im Winter warme Geborgenheit;
kokugen wa hayamani
bereite alles rechtzeitig vor;
furasutomo ame no yoi
stelle Dich auch auf Regen ein und
eikyaku ni kokoro seiyo
gib denen, mit denen Du Dich zusammenfindest, dein ganzes Herz.
 

(Sen no Rikyu)

 

Bereite den Tee mit Wasser,
geschöpft aus des Herzens Tiefe,
dessen Grund unermesslich ist,
dann wird es wahres Cha-no-yu heißen.
 

(Sen no Rikyu)
 

Sieben Teeregeln von Rikyu und Sokei

1.

Wenn die Gäste in das Wartehäuslein gekommen sind und sich dort alle gleichgesinnten Teilnehmer versammelt haben, kündigt sich der Gastgeber durch Schläge auf den hölzernen Gong an.

2.

Was die Handreinigung angeht, so ist das Wichtigste auf diesem Wege die Läuterung des Herzens.

3.

Der Gastgeber muss den Gästen in aller Ehrerbietung entgegengehen und sie in den Teeraum geleiten. Ist der Gastgeber ein Mensch ohne Haltung und Einfall und auch das Gerät für Tee und Speisen ohne Geschmack und die Bäume und Felsen des Teegartens in ihrer natürlichen Anlage und Planung unbefriedigend, dann gehe man schleunigst wieder heim.

4.

Sobald das siedende Wasser wie der Wind in den Kiefern rauscht und der Klang eines Gongs ertönt, betreten die Gäste zum zweiten Male den Tee-Raum. Unverzeihlich ist es, den rechten Augenblick bei Wasser und Feuer zu versäumen.

5.

Weder in noch vor dem Tee-Raum das Gespräch weltlichen Dingen zuzuwenden, das ist ein Gebot seit altersher.

6.

Bei einer wahren Versammlung dürfen weder Gast noch Gastgeber schöne Worte und glatte Minen Zugang finden lassen.

7.

Eine Versammlung darf zwei Doppelstunden nicht überschreiten. Wird aber im Gespräch über die Budda-Lehre und ästhetische Fragen die Zeitspanne überschritten, so ist das nicht verwerflich.

Der Morgendunst im Frühling, der im dichten Laub versteckte Kuckuck im Sommer, der Abendhimmel im Herbst, der die Einsamkeit um so stärker empfinden lässt, und der Schnee bei Tagesanbruch im Winter: all das umfasst die Stimmung des Tees. (Kabori Enshu)

So wie der Tau auf den Hecken und das Efeugerank des Waldweges, ob morgens oder abends, der kommenden Gäste wartet, so soll das Rauschen des Kessels wie der Wind in den Föhren nie verstummen. (Kabori Enshu)

Wer in seinem Herzen dem Tee-Weg verhaftet ist, für den gibt es nicht den Unterschied zwischen vertraut und nicht-vertraut, zwischen arm und reich. Wer auf diesem Weg ernsthaftes Streben hat, der verabscheue die Selbstüberheblichkeit, sonst kann er nicht vorankommen. (Kabori Enshu)

yuzuku yo                  Im nächtlichen Mondschein
umi sukoshi aru          ist vereinzelt nur das Meer
ko no ma kana            zwischen den Bäumen zu ahnen.

(Kabori Enshu)

Vorliebe für kunstvolles Gerät und Gefallen an geschmackvoller Eleganz haben Teeliebhaber, die sich an der äusseren Form (katachi) erfreuen. Diejenigen aber, die sich an Gemüt und Gesinnung (kokoro) erfreuen, sind Teeliebhaber im wahrsten Sinne zu nennen. (Sekishu)

Zum Chanoyu paßt die Erscheinung stiller, natürlicher Einsamkeit gereiften Alters gut, der Anschein künstlicher Absichtlichkeit hingegen ist von Übel. (Sekishu)

chanoyu to wa            Tee ist den Ohren,
mimi ni tsutaete         den Augen und dem Herzen
me ni tsutae               zu lehren,
kokoro ni tsutau         ohne auch nur
hitofude mo nashi        ein Wort zu schreiben.

canoyu to wa             Chanoyu:
ika naru mono wo       was mag es wohl sein,
iu yaranu                    das man so benennt?
sumi-e ni kakishi        Es ist das in einem Tuschbild gemalte
matsukaze no koe       Rauschen des Windes in den Föhren.

(Sotan)

Der Teeweg kann nicht in ein System gebracht werden und auch nicht in Regeln zusammengefasst werden, denen man folgen muss. Es ist ausreichend, wenn ihr etwas nützliches aus meinen täglichen Gedanken über Tee entnehmen könnt. (Sotan)

Um festzustellen, ob ein Tee gut ist oder nicht, sollte man die Farbe, den Duft und den Geschmack des Aufgusses prüfen. Die vollkommene Farbe ist die der ersten Blätter im Frühling; der Duft ist der eines kleinen Kindes. Der Geschmack lässt sich nicht beschreiben, seine Einschätzung bedarf der Erfahrung. Tee wird getrunken, um den Durst zu stillen, seines Geschmacks wegen oder einfach, um sich an schöner Keramik und der allgemeinen Atmosphäre, die beim Teetrinken entsteht, zu erfreuen. Das einzige, was dabei notwendig ist, ist ein Gefühl der Dankbarkeit. Die Natur des Tees selbst ist die des „kein Geist“. Es gibt keine Unterschiede. Der Tee ist einfach. (Popchong Sunim)

Sado erklärt Aufrichtigkeit, Reinheit, Sittsamkeit und Schlichtheit zur Hauptsache. Mit Reinheit wird das Gemüt genährt, mit Aufrichtigkeit den Mitmenschen begegnet, mit Höflichkeit Umgang gepflegt und mit Schlichtheit körperliche Zucht gewahrt. (Fujusai Chikushin Jochi, Genryu sawa, Teegespräche vom Urquell)

Teekunst bedeutet Lauterkeit und verachtet Ruhm und Profit, sie verlangt Qualität und meidet Übertreibung und Pracht; Vertrauen und Bindungen macht sie sich zum Schild. (Fujusai Chikushin Jochi, Genryu sawa, Teegespräche vom Urquell)

Maximen: Wa, kei, sei, jaku (Harmonie, Ehrerbietung, Reinheit, Stille) (Josinsai Tennen Sosa, Sawa scho, Eine Auswahl von Teegesprächen)

Im „Diamant-Sutra“ steht: „Einen an nichts festhaltenden Geist lasse entstehen!“ In der Teekunst heisst das: Wenn nur Geist vorhanden ist, fehlt es am Können, wenn aber das Können überwiegt, mangelt es an Geist. Zu vergessen, dass Geist und Können zweierlei sind, und sich ständig ihrer Unterschiedslosigkeit bewusst zu sein, eben darin liegt die unaussprechliche, nicht endende Erkenntnis des Sado. (Fuhaku)

Wie die Musik dazu dient, böse Gedanken zu verscheuchen, so verhält es sich auch mit dem Tee. (Matsudaira Fumai; Mudagoto, Vergebliche Worte)

Die Teekunst ist eine Schöpfung, die dazu dient, Genügen verständlich zu machen. (Matsudaira Fumai; Mudagoto, Vergebliche Worte)

Ich wünschte, die Teekunst wäre wie der Morgentau auf den Gräsern und eine auf dürrer Flur blühende Heidenelke. (Matsudaira Fumai; Chaso, Teefundament)

Chanoyu ist ursprünglich reine Geschmackssache (schumi). In bin vollauf zufrieden, wenn ich aus Neigung dazu meine Freude daran habe. (Takahashi Yoshio, Soan; Ora ga chanoyu, Mein Tee)

In bezug auf meinen Tee habe ich meinen eigenen gesunden Menschenverstand. Und bei der Verwendungsweise des Gerätes und seiner Schmuckherrichtung habe ich mein angeborenes ästhetisches Empfinden. (Takahashi Yoshio, Soan; Ora ga chanoyu, Mein Tee)

Die sieben Charakteristika der Teekultur

    1. Asymmetrie,

    2. Schlichtheit,

    3. abgeklärte Nüchternheit,

    4. Natürlichkeit,

    5. gehaltvolle Tiefe,

    6. uneingeschränkte Freiheit „Übung des Herzens als einzig wirkliches Mass“

    7. Ruhe.

(Hisamatsu Shinichi; Sado-bunka no seikaku, Der Charakter der Teekultur)

Medizin war der Tee zuerst, Getränk wurde er danach. Im achten Jahrhundert zog er in China als eine der galanten Spielereien in das Reich der Poesie ein. Im fünfzehnten Jahrhundert erhob ihn Japan zu einer Religion des Ästhetizismus, zum Teeismus. Teeismus ist ein Kult, gegründet auf die Verehrung des Schönen inmitten der schmutzigen Tatsachen des Alltags. Er umschliesst Reinheit und Harmonie, das Geheimnis des Mitleidens, die Romantik der gesellschaftlichen Ordnung. Dem Wesen nach ist er eine Verehrung des Unvollkommenen, denn er ist ein zarter Versuch, etwas Mögliches zu vollenden in diesem Unmöglichen, das wir Leben nennen.

Die Philosophie des Tees ist nicht nur Ästhetizismus im Alltagssinne des Wortes, denn sie drückt zusammen mit Ethik und Religion unsere ganze Auffassung von Mensch und Natur aus. Sie ist Hygiene, denn sie zwingt zur Sauberkeit; sie ist Wirtschaftlichkeit, denn sie zeigt die Behaglichkeit eher in dem Einfachen als in dem Vielfachen und Kostbaren; sie ist moralische Geometrie insofern, als sie unser Gefühl für das Verhältnis zum All bestimmt. Sie verkörpert den wahren Geist östlicher Demokratie, denn sie macht alle ihre Anhänger zu Aristokraten guten Geschmacks. (Kakuzo Okakura, Tenshin; Das Buch vom Tee)

Wohl mag sich der Aussenstehende wundern über diesen scheinbaren Lärm um nichts. Welch ein Sturm in einer Teeschale! wird er sagen. Aber wenn wir bedenken, wie klein doch letzten Endes der Becher der menschlichen Freude ist, wie bald von Tränen überfliessend, wie leicht von unserem nie zu stillenden Durst nach dem Unendlichen bis auf die Neige geleert, dann werden wir uns nicht über soviel Lärm um die Teeschale beklagen. (Kakuzo Okakura, Tenshin; Das Buch vom Tee)

Merkwürdigerweise hat sich die Menschheit in der Teeschale gefunden. Der Teekult ist die einzige asiatische Zeremonie, die sich allgemeiner Wertschätzung erfreut. (Kakuzo Okakura, Tenshin; Das Buch vom Tee)

Teeismus ist die Kunst, Schönheit zu verhüllen, um sie zu entdecken, und etwas anzudeuten, was man nicht zu enthüllen wagt. Er ist das feine Geheimnis, leise und doch gründlich über sich selbst zu lachen, und ist somit die gute Laune selbst - das Lächeln der Philosophie. (Kakuzo Okakura, Tenshin; Das Buch vom Tee)

Inzwischen wollen wir einen Schluck Tee trinken. Die Spätnachmittagsonne bescheint den Bambus, die Quellen glucksen voll Entzücken, der Wind in den Kiefern tönt in unserem Teekessel wider. Lasst uns vom Vergänglichen träumen und bei der wundersamen Torheit der Dinge verweilen. (Kakuzo Okakura, Tenshin; Das Buch vom Tee)

Tee ist ein Kunstwerk und braucht eines Meisters Hand, um seine edelsten Eigenschaften zu offenbaren. (Kakuzo Okakura, Tenshin; Das Buch vom Tee)

Die Teepflanze, im südlichen China beheimatet, war der chinesischen Botanik und Medizin schon frühzeitig bekannt. Sie wurde hoch gepriesen, weil sie die Kraft besass, Müdigkeit zu vertreiben, die Seele zu erquicken, den Willen zu stärken und die Sehkraft zurückzugeben. (Kakuzo Okakura, Tenshin; Das Buch vom Tee)

Der Teekult wurde bei uns mehr als nur eine Idealisierung der Form des Trinkens; er ist eine Religion der Lebenskunst. Das Teetrinken wurde allmählich ein Vorwand für die Verehrung der Reinheit und der Verfeinerung, es wurde eine heilige Handlung, bei der Gastgeber und Gast sich zusammenfanden, höchste irdische Glückseligkeit zu schaffen. Der Teeraum war eine Oase in der trostlosen Wüste des Daseins, wo müde Wanderer sich treffen konnten, um sich gemeinsam am Quell des Kunstgenusses zu laben. Die Zeremonie war ein improvisiertes Drama, dessen Handlung sich um den Tee, die Blumen und die Malerei wob. Keine Farbe, die den Ton des Raumes störte, kein Klang, der den Rhythmus der Dinge beeinträchtigte, keine Bewegung, die sich in die Harmonie eindrängte, nicht ein Wort, das die Einheit der Umgebung brach: alle Bewegungen einfach und natürlich - das waren die Ziele der Teezeremonie. Und, merkwürdig genug, oft wurden sie erreicht. Eine tiefe Philosophie lag hinter alldem. Teeismus war Taoismus in anderer Gestalt. (Kakuzo Okakura, Tenshin; Das Buch vom Tee)

Tee trinken heisst den Lärm der Welt vergessen. (Tien Yi-hing)

„Harmonie“ und „Frieden“ sind das Ergebnis der Wechselwirkung von Gastgeber und Gast, der gereichten Mahlzeit und der verwendeten Teegeräte mit dem fliessenden Rhythmus der Natur. Sie widerspiegelt ebenso die Vergänglichkeit aller Dinge, wie das Unwandelbare im Wandel. Gastgeber und Gast beeinflussen sich gegenseitig, beide sind aufeinander bedacht, als ob ihre Rollen vertauscht wären. Ehe der Tee gereicht wird, wird der Gastgeber dem Gast Süssigkeiten anbieten oder oft auch ein leichtes Mahl. In beiden Fällen sollte das Angebotene der jeweiligen Jahreszeit entsprechen. Die Teegeräte sollten miteinander harmonieren und zu der Stimmung und dem Thema der Teezusammenkunft passen. Der enge Einklang mit der Natur sammelt unsere Aufmerksamkeit zusätzlich auf das Merkmal der Vergänglichkeit, das jede Teezusammenkunft kennzeichnet. Das Wesensmerkmal der Harmonie und des Friedens bedeutet frei zu sein von Anmassung und den Pfad der Mässigung zu gehen, weder voll Begeisterung noch empfindlungslos zu werden und nie die Haltung von Bescheidenheit zu vergessen. (Soshitsu Sen)

„Hochachtung“ und „Ehrfurcht“ kommen aus der Aufrichtigkeit des Herzens, die uns befreit zu einer offenen Beziehung mit der unmittelbaren Umwelt, mit unseren Mitmenschen und der Natur, während wir der natürlichen Würde jedes einzelnen gewahr werden. Hochachtung gibt einer Teezusammenkunft Gestalt und ordnet, vor allem durch die strengen Regeln der Teezubereitung, das Miteinander zwischen den Teilnehmern. Aber in einem viel umfassenderen Sinn nötigt uns dieses Prinzip, ohne Berücksichtigung äusseren Anscheins., tief in die Herzen all der Menschen zu sehen, die wir treffen und den Dingen in unserer Umgebung mit Achtsamkeit zu begegnen. Dann erkennen wir unsere Verwandtschaft mit der ganzen Welt um uns herum.. (Soshitsu Sen)

„Reinheit“, durch die einfache Handlung des Reinigens, ist ein wichtiger Teil jeder Teezusammenkunft - mit der ihr vorausgehenden Vorbereitung, dem eigentlichen Darreichen des Tees und, nach dem Weggang der Gäste, dem Aufräumen der Teegeräte, und, als letztes, dem Verschliessen des Teeraums. Solche Handlungen., wie den Staub aus dem Raum zu kehren und die abgefallenen Blätter vom Gartenweg zu fegen, bedeuten alle ein Reinigen „vom Staub der Welt“ oder seines Herzens und Geistes von den weltlichen Anhaftungen. Nur dann, wenn materielle Belange beiseite gelegt werden, können wir die Menschen und Dinge in ihrem wahren Zustand sehen. Die Tat des Reinigen ermöglicht uns so das reine und heilige innerste Wesen von Dingen, Menschen und der Natur wahrzunehmen.

Wenn der Gastgeber die Räume, welche die Gäste in Anspruch nehmen werden, reinigt und vorbereitet, stellt er auch in seinem innersten Selbst eine Ordnung her, eine Ordnung, die unerlässlich ist. Wenn er sich den Einzelheiten des Teeraums und des Gartenwegs widmet, ist er nicht weniger mit seinem eigenen Bewusstsein befasst und dem Geisteszustand, mit welchem er auch seine Gäste bedienen wird. (Soshitsu Sen)

„Stille“ und „Gelassenheit“, geistige Begriffe, wie sie für den Teeweg charakteristisch sind, entstehen mit der ständigen Übung der ersten drei Grundsätze von Harmonie, Hochachtung und Reinheit in unserem täglichen Leben. Allein zu sitzen, entfernt der Welt, eins mit dem Rhythmus der Natur, befreit von den Bindungen an die materielle Welt und die körperlichen Annehmlichkeiten, gereinigt und empfindungsfähig gegenüber dem geheiligten Wesen von allem, was uns umgibt. Ein Mensch, der Tee zubereitet und ihn in Achtsamkeit trinkt, nähert sich dem unvergleichlichen Zustand der Stille und Gelassenheit. Aber, so merkwürdig es klingt, diese Stille wird sich sogar noch vertiefen, wenn ein anderer Mensch den Mikrokosmos des Teeraums betritt und mit dem Gastgeber in Achtsamkeit eine Schale Tee teilt. Dass wir eine bleibende Stille und Gelassenheit, in unserem eigenen Selbst, in Gesellschaft anderer finden können, ist das scheinbar Widersprüchliche im Teeweg. (Soshitsu Sen)

Jede Teezusammenkunft ist die Gelegenheit zu einer Erfahrung, die im Leben unwiederholbar einzigartig ist. (Soshitsu Sen)

Der Teeweg ist eine Methode, durch welche man so weit kommen kann, sein Lebensschicksal anzunehmen und Zufriedenheit darin zu finden. (Soshitsu Sen)

Im Mittelpunkt eines Lebens, das auf Harmonie, Hochachtung, Reinheit und Stille gründet, ist jener innere Friede, der davon herrührt, dass wir unsere eigenen Grenzen annehmen und innerhalb des Unvollkommenen Zufriedenheit finden. Mit diesem Frieden verschwinden Unzufriedenheit und Angst, und an deren Stelle treten Selbstsicherheit und eine heitere Gelassenheit. (Soshitsu Sen)

In meinen Händen halte ich eine Schale Tee. Seine grüne Farbe ist ein Spiegel der Natur, die uns umgibt. Ich schliesse meine Augen, und tief in mir drin finde ich die grünen Berge und das klare Wasser der Quellen. Ich sitze allein, werde still und fühle, wie all dies ein Teil von mir wird. Was ist das Wundervollste für Menschen, die wie ich dem Teeweg folgen? Meine Antwort: das Gefühl der Einheit von Gastgeber und Gast, geschaffen durch die “Begegnung von Herz zu Herz”, und das Teilen einer Schale Tee. (Soshitsu Sen)

Wenn wir eine Schale mit dem grünem Tee in unsere Hände nehmen und ihn trinken, dann fühlen wir auch uns eins mit der Natur - und da ist Frieden. Diesen Frieden teilen wir, indem wir anderen eine Tasse Tee anbieten. (Soshitsu Sen)

Alle, die dem Teeweg folgen wollen, mögen sich hüten vor Eifersucht und Neid. Sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, andere zu beneiden oder zu verführen. Dies ist unverzeihlich. In dem Mass, wie ihr euch täglich in den Teeweg vertieft, werdet ihr mit Glück belohnt werden. Je mehr ihr zu anderen aufschaut, um so klarer wird eure eigene Stellung im Verhältnis zu ihnen werden. Wann immer etwas Unglückliches geschieht, versuchen die Menschen, sich selbst in möglichst gutem Licht erscheinen zu lassen. Aber wenn ihr an das demütige Herz des Gastgebers im Teeraum denkt, dann wird diese andauernde Gier nach Macht als das gesehen, was sie ist, denn der Gastgeber kennt den geistigen Geschmack des Tee. Ihr müsst wissen, was ihr wisst; und wissen, was ihr nicht wisst, denn nur dann werdet ihr die Grenzen eurer Stärke deutlich sehen. Nutzt die Gelegenheiten spirituelle Kraft zu erlangen, wann immer sie sich bieten. Gebt euch eurem Lernen und eurer Übung ganz hin. Im Leben gibt es viele, die Wissen vortäuschen und andere in die Irre führen - keine Handlung kann verwerflicher sein als diese. Der Weg ist niemals ausschliesslich. Er ist offen für alle, und diejenigen, die sich auf den Pfad machen, brauchen notgedrungen die Hilfe derer, die den Weg vorher beschritten haben.. (zitiert nach Soshitsu Sen)

Sie saßen und aßen am Teetisch
und sprachen von Liebe viel;
die Herren, die waren ästhetisch,
die Damen von zartem Gefühl.

(Heinrich Heine)

Der Tee-Weg ist mit dem Leben überhaupt verbunden. Er verkörpert von aussen her eine bestimmte Form des Ästhetizismus. Von innen her ist er Lebens-, ja Weltanschauung. (Horst Hammitzsch)

Der Tee-Weg ist ein Quell, aus dem der Mensch, vor allem der heute mehr denn je vom Alltag gehetzte Mensch, neue Kräfte schöpfen kann. (Horst Hammitzsch)

Der Tee-Raum kennt nicht Vornehm und Gering, er kennt nur Wissende und Nicht-Wissende. (Horst Hammitzsch)

Im Tee-Weg liegt die Liebe zur Reinheit, zur Natur, zur Stille und zur Einfachheit. (Horst Hammitzsch)

Andächtig ist, wer, wenn er Tee trinkt, Tee trinkt. (Albrecht Fabri)

 

Tee
zarte Knospen
duftende Blätter
Gefährte der Poeten
Heißgeliebter der Einsiedler
Geschirr aus milchweißer Jade
Serviette aus rotem Sarsenett
tief bernsteinfarbendes Gebräu
Befreiung von pedantischem Formalismus
vertreibt den berauschenden Dunst des Weines
des Abends paßt er gut zu schimmerndem Mondschein,
in der Morgendämmerung zum karmesinroten Wolkenhimmel überbrückt die Kluft zwischen uns und den Generationen von einst
Pagodengedicht von Yüan Wei-Chih (chin. Dichter in der Tang-Dynastie)

 

Der Tee weckt den guten Geist und die weisen Gedanken. Er erfrischt Deinen Körper und beruhigt Dein Gemüt. Bist Du niedergeschlagen, so wird Tee Dich ermutigen. (Shen Nung)

Ein Mord mag verziehen werden, eine Unhöflichkeit beim Tee nie. (chinesisches Sprichwort)

Bitterer Tee, mit Wohlwollen dargeboten, schmeckt süßer als Tee, den man mit saurer Miene reicht. (chinesisches Sprichwort)

Ein heißes Bad erfrischt den Körper, ein heißer Tee den Geist.(japanisches Sprichwort)

Für Gastgeber und Gast ist es gut, wenn sie ihr Bestes geben und beide zufrieden sind. Es ist aber nicht gut, wenn sie ausschließlich die gemeinsame Zufriedenheit anstreben. (Sen no Rikyu)

Ein Blatt wie eine Seele, fällt im Herbstwind. Das Einzelne ist immer einsam. Die Einsamkeit ist Grundbefindlichkeit, in der die Seele das Absolute berührt. Im Zen übt man die absolute Einsamkeit der Leere und Stille. Man trägt die Stille in seiner Seele und lauscht bis auf den schweigenden Grund der Natur, wo alle Laute in der Stille versinken und diese nur abgründiger machen. Wir begegnen nun auf der Wanderung einer vollkommenen Naturstille, die Stimme des Kosmos wispert, und der Mond leuchtet in der Seele. (Toshimitsu Hasumi)

 

Tee hat nicht die Arroganz des Weines -
nicht das Selbstbewußtsein des Kaffees -
nicht die kindliche Unschuld von Kakao.
Im Geschmack des Tees liegt ein zarter Charme,
der ihn unwiderstehlich macht
und dazu verführt ihn zu idealisieren.
(Laotse)

 

Ein Bad erfrischt den Körper, eine Tasse Tee den Geist. (Japanische Weisheit)

Tee und Liebe schmecken heiss am besten.


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